Auswertung der ANE-Werkstätten 2018

Getreu dem ANE-Motto „mit Eltern – für Eltern“ bezieht die ANE-Redaktion Eltern, Interessierte und Fachleute immer wieder aktiv in die Überarbeitung und Erweiterung der ANE-Schulbriefe ein. Um möglichst viele Perspektiven aufzunehmen und mit Eltern ins Gespräch zu kommen, hat die ANE-Redaktion im Jahr 2018 zu vier öffentlichen Werkstätten eingeladen.
Bei jeder Werkstatt gab es einen kurzen Beitrag einer Expertin oder eines Experten mit konkreten Vorschlägen für die Redaktion. Danach wurden die Beiträge mit den Teilnehmenden diskutiert und um eigene Erfahrungen, Fragen und Anregungen ergänzt. Neben interessierten Eltern haben Sozialarbeiter*innen, Lehrer*innen, Schulleiter*innen, Mitarbeiter*innen der Senatsverwaltung, Vertreter*innen von Elternvereinen und den Stadtteilmüttern teilgenommen. Dadurch entstand bei der ANE-Redaktion ein umfassendes Bild der aktuellen Situation in Berlin mit vielen Erfahrungsberichten und konkreten Vorschlägen, was verbessert werden kann und welche Informationen sich Eltern wünschen.

Die vier Werkstätten:

„Mit einfacher Sprache mehr Eltern erreichen“ (09.10.2018)

Expertin: Josephine Bilk von capito Berlin (http://www.capito-berlin.eu/)

In der ersten Werkstatt wurde darüber gesprochen, wie die Sprache der ANE-Schulbriefe vereinfacht werden kann. Frau Bilk gab in einem kurzen Beitrag Hinweise, wie Texte einfach und verständlich geschrieben und gestaltet werden können. Sie ging dabei konkret auf den Aufbau, die Verwendung von Fremdwörtern und den Satzbau ein. Außerdem stellte sie die Übersetzung eines ANE-Schulbriefes in eine einfache Standardsprache (B1-Niveau) vor. Dieses Beispiel wurde mit den Teilnehmenden diskutiert und als gelungen wahrgenommen.

In der Diskussion wurde viel über das Layout gesprochen.

Vorschläge für ein verbessertes Layout waren:

  • Themenübersichten zu Beginn einführen
  • mehr Zwischenüberschriften verwenden, um den Text zu ordnen
  • Sprache durch funktionale Bilder ersetzen
  • Fachbegriffe einführen (z. B. durch ein Glossar)
  • mit Fragen arbeiten, die die Leser*innen direkt ansprechen
  • zusätzliche Formen der Vermittlung (z. B. durch Multiplikator*innen in einem digitalen Medium) anbieten

„Elternmitwirkung stärken“ (17.10.2018)

Experte: Norman Heise, Vorstand Landeselternausschuss Schule Berlin

Herr Heise analysierte zunächst den ANE-Leitfaden zur Elternmitwirkung und machte konkrete Verbesserungsvorschläge bezüglich der Illustrationen, Schreibweisen und Inhalte.

Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Frage, was Eltern motiviert, sich in der Schule ihres Kindes zu engagieren.

Die teilnehmenden Eltern gaben folgende Gründe an:

  • Kinderrechte stärken und sich für die eigenen Kinder einsetzen
  • am Leben der Kinder teilhaben
  • durch Kontakte zu Eltern, Lehrer*innen und der Schulleitung Einfluss auf die Qualität des Unterrichts nehmen und positive Veränderungen herbeiführen

Eine weitere Frage war, wie man die Beteiligung von Eltern fördern kann. Ideen dazu waren:

  • eine Willkommenskultur beim Übergang von Kita in die Schule etablieren (z. B. „Nullter Elternabend“)
  • Eltern in verschiedenen Sprachen ansprechen (z. B. in den ANE-Schulbriefen)
  • positive Erfahrungen mit Elternvertreter*innen in der Grundschule fördern
  • Erfolge von Elternmitarbeit mit gelungenen Beispielen zeigen
  • die Möglichkeiten der Elternmitwirkung erklären
  • Eltern auf die Aufgaben vorbereiten

Wie, wann und wo können Eltern angesprochen werden?

  • die Zusammenarbeit der Schule mit Migrant*innen-Organisationen stärken
  • Website-Informationen für Elternmitarbeit bereitstellen
  • Berichte ehemaliger Elternvertreter*innen für andere Eltern organisieren
  • Multiplikator*innen nutzen

Dadurch können die Eltern die Erfahrung machen, dass Elternmitarbeit an ihrer Schule gewünscht ist. Aus der Runde der Teilnehmenden wurden etliche Mut machende Beispiele für gelingende Elternmitwirkung beigetragen.

„Eltern unterschiedlicher Familienformen ansprechen“ (29.11.2018)

Expertin: Melike Ҫinar, Dipl.-Politologin, Paritätisches Bildungswerk; Bundesverband e.V.

In dieser Werkstatt ging es darum, wie Eltern unterschiedlicher Familienformen dargestellt und angesprochen werden können.

Frau Ҫinar betonte in ihrem Beitrag, wie wichtig es ist, Diversität bildlich und sprachlich selbstverständlich und positiv abzubilden. Dabei ist wichtig, weder bildlich noch sprachlich Rollenklischees und Stereotype zu verstärken (z. B. Stereotyp der „sorgenvollen Mutter“). Die Sprache und Inhalte sollten wertschätzend sein und die Familien darin bestärken, sich gut um ihre Kinder kümmern zu können.

Empfehlungen der Expertin und der Teilnehmenden:

  • Statt „Eltern“ besser „Familie“ verwenden. Der Begriff „Familie“ schließt niemanden aus – „Eltern“ bezieht nur zwei Personen ein.
  • Bereiche von Elternschaft mitdenken, die sich nicht mehr nur auf zwei Personen beziehen müssen, z. B.: juristische, soziale, biologische und genetische Elternschaft.
  • Diverse Familienformen mitdenken, z. B.: kinderreich, alleinerziehend, Patchworkfamilien, Pflegefamilien, Adoptivfamilien, Herkunftsfamilien, Regenbogenfamilien, Co-Elternschaft.
  • Auf Kategorisierungen verzichten. Interpretationsmöglichkeiten bei Abbildungen und Beispielen lassen (z. B. den Kindernamen Kim).
  • Konzepte entwickeln, wie Familienformen selbstverständlich abgebildet werden können.
  • Einen Leitfaden für Eltern entwickeln, der Hintergrundinformationen zum Thema Personensorge und Elternschaft gibt.
  • Für die Übersetzung von gendersensibler Sprache in andere Herkunftssprachen mit kompetenten Aktivist*innen zusammenarbeiten.
  • Formulierungen auf Wertung prüfen: Wird Diversität als Bereicherung oder als problematisch angesehen?

Als Schwierigkeit wurde gesehen, die verschiedenen Familienformen (kinderreich, alleinerziehend, Patchwork, Pflegefamilien, Adoptivfamilien, Herkunftsfamilien, Regenbogenfamilien, Co-Eltern etc.) darzustellen und anzusprechen. Die Schulbriefe sollten auch die schulischen Verantwortungsträger*innen hinsichtlich der verschiedenen Familienformen sensibilisieren.

„Mehrsprachigkeit als Chance“ (06.12.2018)

Expertin: Ana Maria Acevedo Vargas, Logopädin, MaMis en Movimiento e.V. Berlin

In dieser Werkstatt ging es um die Chancen von Mehrsprachigkeit und wie Mehrsprachigkeit in den Schulbriefen positiv dargestellt werden kann.

Empfehlungen der Expertin an die ANE-Redaktion:

Verständliches Schreiben:

  • viele Beispiele verwenden, die die Inhalte unterstützen
  • B2-Niveau ist für viele Eltern mit Migrationshintergrund herausfordernd, leichtere Sprache ist besser
  • Erstellung eines mehrsprachigen Glossars, das wichtige Worte erklärt (z. B. Rahmenlehrplan, Hort)
  • lange Wörter mit Bindestrich trennen, kurze Sätze, keine Fremdwörter verwenden

Inhalte:

  • mehr Informationen zu Europaschulen und Willkommensklassen
  • Inhalte zur Förderung von Mehrsprachigkeit
  • Inhalte klar trennen: z. B. werden Förderung von Mehrsprachigkeit und Förderung bei Lese-Rechtschreibschwäche vermischt

Nach dem Input der Expertin ging es um das Sprachniveau von Eltern. Die Dokumente der Berliner Senatsverwaltung sind auf C1- und C2-Niveau, das von vielen Eltern als herausfordernd erlebt wird. Das tatsächliche Sprachniveau von mehrsprachigen Menschen in Deutschland ist unklar.

Vorschläge der Teilnehmenden waren:

  • Mehrsprachigkeit ist eine Ressource, die genutzt und bestärkt werden soll. Beispiele dafür wären: die Anerkennung des B2-Niveaus als zweite Fremdsprache, die Erweiterung des Angebots von Europa-Schulen und ein Fokus auf Mehrsprachigkeit im Lehramtsstudium.
  • Entwicklung eines ANE-Schulbriefs zum Thema Mehrsprachigkeit:
    • Positive Wirkungen von Mehrsprachigkeit wissenschaftlich belegen.
    • Die Familien und Schulen für das Thema sensibilisieren.
    • Möglichkeiten zur Förderung von Mehrsprachigkeit aufzeigen.
    • Organisationen, die Expertise mit Mehrsprachigkeit haben, benennen
    • Links, QR-Codes, Quellenverweise und Buchempfehlungen zum Thema Mehrsprachigkeit zur Verfügung stellen.

Mit Blick auf alle vier Veranstaltungen kann festgehalten werden, dass die Qualität der ANE-Schulbriefe zwar als hoch eingeschätzt wurde, es aber auch Überarbeitungsbedarf gibt.
Zu den vier Themenfeldern wurden konkrete Hinweise und Anregungen gegeben, die die ANE-Redaktion gut aufgreifen kann. Die Hinweise umfassen die Überarbeitung der vorhandenen ANE-Schulbriefe und Vorschläge für die Entwicklung neuer ANE-Materialien.

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www.schuleltern.berlin ist ein Projekt des Arbeitskreis Neue Erziehung e. V. (ANE). ANE unterstützt Eltern ihre Kinder zu selbstbewussten Mitgliedern einer demokratischen Gesellschaft in Europa zu erziehen.

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